Szene aus Goethes Faust

1826 Faust am Studiertisch - Julius Hübner

 

1826 Faust am Studiertisch – Entwurfsskizze zu Szenen aus Goethes Faust
Bleistift auf Papier
Format: 252 x 184 mm
Standort: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Inventar-Nr. Hz 497

Diese Skizze ist im Zusammenhang mit Julius Hübners Besuch am 30. November 1826 bei J.W. v. Goethe in Weimar zu sehen. Es war das Jahr, in dem Goethe sein Terzinen-Gedicht schrieb und mit den Zeilen begann:

„Im ernsten Beinhaus wars, wo ich beschaute
Wie Schädel Schädeln angeordnet passten […]
Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen
Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.“

Um sich zu inspirieren, hatte Goethe einen Schädel auf seinem Schreibtisch in der Bibliothek platziert, von dem er annahm, dass es sich um den des Dichters Friedrich Schiller handelte (was seit 2006 von Forensikern aus Innsbruck widerlegt ist).
Das Kassengewölbe, ein Mausoleum am ältesten Friedhof in Weimar, musste nämlich 1826 neu gebaut werden, weil es zu klein wurde. Das Mausoleum bot 20 Skeletten Platz, über 60 fanden dort aber ihre letzte Ruhestätte. Schiller wurde als 53. Toter im Mausoleum begraben. Damals stellten Bergungstrupps die Gruft komplett auf den Kopf. Goethe ließ sich über 20 Schädel in sein Zimmer tragen. Dort untersuchten Schillers Zeitgenossen die Köpfe und bestimmten schließlich, welcher dem Dichter gehörte. Goethe behielt den Schädel und ließ ihn als Inspirationsquelle ein Jahr lang auf seinem Schreibtisch stehen.
Dieser Umstand muss den 20jährigen Julius Hübner, dem auch der 1808 erschienene Faust I vertraut war, sehr beeindruckt und zu dieser Faust-Skizze veranlasst haben.


Wir zeigen dieses unbekannte Motiv heute, genau 170 Jahre nach der Uraufführung von Robert Schumanns Szenen aus Goethes Faust in Dresden. Am 25. Juni 1848 erklang im Dresdener Coselpalais vor geladenen Gästen diese zuerst komponierte, spätere 3. Abteilung mit dem Orchester der Königlichen Hofkapelle und dem Chorgesangsverein unter Schumanns Leitung.

Auch Julius Hübner, enger Freund Schumanns und Patenonkel des 5. Sohnes Ludwig Schumann (geb. 20.1.1848) wohnten der Aufführung bei.

http://www.julius-huebner.de

 

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